Schwedenmeter & Schwedenschnitte: Schon mal gehört?

Zuerst eine allgemeine Einführung: Wissen Sie, was Möbelpolitur auf Schwedisch heisst? Oder Schwiegermutter? Die Antwort lautet: Ikea Nivea und Überwache Drache. Und Bibliothek heisst – wenn man es weiss, ist es ganz logisch: Göteborg. Vor etlichen Jahren tauchte diese amüsante Variante von «Schwedisch für Anfänger» auf. Nicht nur im Eishockey, sondern auch an deren Sprache können wir uns Schweizer an den Schweden die Zähne ausbeissen. Und so kennen wir viele Hintergründe und Bedeutungen nicht. Dem sei hier (meistens) abgeholfen …

Was hat es also mit dem Schwedenmeter und der Schwedenschnitte auf sich? Schwedenmeter haben die meisten von uns schon mal in den Händen gehalten. Nämlich dann, wenn es darum geht, Mass zu nehmen. Denn stimmt dieses nicht, gibts vom Chef oder Bauherrn eins aufs Dach.

Was ist ein Schwedenmeter?

Was ist ein Schwedenmeter?

Der Vorgänger des Schwedenmeters ist der Zollstock. Es geht – wie könnte es bei einem Meter anders sein – um ein Werkzeug, mit dem man einen Abstand messen kann. Früher mussten die meisten Handwerker mit dem Zollstock arbeiten. Doch das Ding hat so sein Gewicht und ist auch sonst nicht gerade handlich.

Und so entwickelte ein kluges Köpfchen mit geschickten Händen einen einklappbaren Meter aus Holz. Zwei Meter lang und einklappbar auf 23 bis 25 Zentimeter. Im Gegensatz zum Zollstock ist er viel leichter, praktischer und passt in viele Hosentaschen und Nischen. Sie ahnen es: Er ist zwar patenter, geht aber leider auch schneller verloren.

Der Schwedenmeter, wie wir ihn kennen, gibt es seit zirka 1890. Karl-Hilmer Johansson Kollén, natürlich ein Schwede, entwickelte den zusammenklappbaren Meter, der die neu eingeführte Zentimeterskalierung besass. Damit man weiss, dass man einen echten Schwedenmeter® von Kollén vor sich hat, sind die Enden jeweils rot gekennzeichnet.

Laut Gliedermassstaebe.de wurden bis heute «mehr als 480 Millionen Meter an originalen Schweden-Massstäben hergestellt».

Vom Schwedenmeter spricht man also ähnlich wie vom Schweizerkäse. Geschichte und Tradition sind immer recht nachhaltig.

Was ist ein Schwedenschnitt?

Viele Bauherren werden diesen Begriff noch nie gehört haben. In Deutschland kennt man ihn so nicht. Eine sehr gute Erklärung findet sich im Blog des ehemaligen Maurers und Bauleiters (Techniker HF) Marco Fehr, dessen Infos wir hier zusammengefasst haben.

Schwedenschnitte sind die Trennschnitte (Trennfugen) zwischen Wand-Decken- und Wand-Wand-Anschlüssen. Diese kommen dort zum Einsatz, wo Rissbildung entstehen könnte – und Risse sollen natürlich verhindert werden. Wird ein Schwedenschnitt eingesetzt, muss er durch alle Putzschichten (z. B. Grundputz, Deckenputz) hindurch gehen.

Nicht komplett durchgeschnittener Putz ist häufig der Grund, warum es in diesem Bereich Bauschäden durch ungenaues Arbeiten gibt. Es entsteht zu viel Druck auf den Putz, worauf dieser mehr und mehr wegbricht.

Auch Farbe gehört nicht in den Schwedenschnitt. Sie kann ebenfalls zu Rissen führen. Die SIA-Norm verlangt einen Schwedenschnitt (Norm 242). Verlangt wird ein gerader 2 Millimeter dicker Schnitt.

Wichtig:

Der Schwedenschnitt bleibt immer ein bisschen sichtbar, dafür verhindert er mühselige Risse.

Wohnungsbau: Kleinigkeiten mit grosser Wirkung

Der Schwedenschnitt gehört wahrscheinlich zu den Dingen, die unerfahrene BauherrInnen kaum überprüfen. Mal ehrlich: Lieber denken wir beim Begriff «Schwedenschnitte» an die feine, mit typisch grünem Marzipan überzogene Schwedentorte – wer liebt die nicht? Also kann ja vom Schwedenschnitt nur Gutes kommen!

Für genau diesen Punkt und noch viele weitere gibt es professionelle Bauberater, die diese heiklen Dinge mit Ihnen besprechen.

In unserer nicht ganz ernstzunehmenden schwedischen Kreativsprache würde dies wohl heissen, wir holen eine Fachperson («Überwache Sache»), die die Qualität der Arbeit («Kacke make») überprüft und gegebenenfalls die entsprechenden Massnamen («Lücke flicke») einleitet…

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