Warum Referenzen beim Bauen wichtig sind
Referenzen bestätigen die Glaubwürdigkeit und die Kompetenzen von Personen oder Unternehmen. In einem Auswahlverfahren kann dies zu mehr Sicherheit führen. Doch wie ist dies bei neu gegründeten Bauunternehmen? Dank Referenzen ist der Wettbewerb gewährleistet. Die wichtigsten Grundlagen hier im Überblick.
Das öffentliche Beschaffungsverfahren verlangt Referenzen. Öffentlich bedeutet meistens den Einsatz von Steuergeldern, also von hart verdientem Einkommen der Steuerzahler. Die Erwartungen seitens der Einwohner sind also berechtigt.
«Teuer» will niemand. Ärger auch nicht. Darum braucht es Referenzen – eine Art Vertrauenswährung.
Das ist zumindest das, was sich die meisten vorstellen, wenn es um Referenzen geht. Doch Achtung: Es geht noch um mehr. Nämlich um eine faire Bauvergabe. Fair für bisherige wie auch jüngere Unternehmen.
Die zwei Arten von Referenzen
Grössere Gebäude verlangen logischerweise nach mehr Kompetenzen und Erfahrung. Darum werden Referenzen in zwei Arten aufgeteilt:
- Referenzen der Unternehmen (auch Büroreferenzen genannt)
- Referenzen der für den Auftrag vorgesehenen Schlüsselpersonen
Welche Referenzen verlangt werden, hängt von der Art des Auftrags ab. Prioritär werden die Referenzen der Mitarbeitenden begutachtet. Letztendlich sind es ja sie, die das Wissen und die Erfahrung besitzen. Sie sind es, die Projekte leiten und Entscheidungen treffen. Unternehmen können – rechtlich gesehen – keine Erfahrung haben.
Diese Unterscheidung ist wichtig für neu gegründete Bauunternehmen. Denn ihre Mitarbeitenden können – trotz fehlender Referenzen der Firma – gegebenenfalls selbst auf eine jahrelange Erfahrung zurückgreifen.
Dieser Fokus auf die Kompetenzen der beteiligten Personen ist für die Vergabestelle sehr relevant.
Bevorzugt: Unternehmensreferenzen
Im Grunde genommen bestimmt ein Projekt selbst, welche Arten von Referenzen erbracht werden müssen. So kann es durchaus sein, das der Nachweis von Organisationsstruktur, Personalkapazität oder Infrastruktur einer Bauunternehmung sinnvoll ist.
Gerade, wenn eine komplexe Organisation und viel Baupersonal benötigt wird. Die gelebte Unternehmenskultur oder -struktur des offerierenden Bauunternehmens ist eine wichtige Form von Kommunikation. Sind Schwachstellen im Management von Abläufen oder bei Standards ersichtlich, überzeugt das Unternehmen nicht.
Diese Tatsache muss bei der Auftragsvergabe berücksichtigt werden. Insbesondere bei jüngeren Unternehmen kann es der Fall sein, dass die Abläufe vielleicht noch zu wenig beim Team verinnerlicht sind. Abläufe und Kommunikation können einen grossen Einfluss auf die erbrachte Leistung haben.
Bevorzugt: personenbezogene Referenzen
Wann sind personenbezogene Referenzen wichtiger? Menschen wollen gestalten. Das bedeutet in erster Linie, dass bei der Vergabe von Architekten- und Ingenieurleistungen persönliche Einstellungen und Sichtweisen spürbar werden. Diese sind unabhängig von der Erfahrung des Unternehmens.
Je nach Anforderungen eines Bauprojekts ergibt sich ein entsprechender Bedarf an personenbezogener Referenzen.
Ist ein Unternehmen noch jung, können auch Referenzen bisheriger Arbeitgeber der Mitarbeiter – mit entsprechendem Hinweis – angegeben werden. Nach der aktuell gültigen Rechtsprechung sind Eignungs- und Zuschlagskriterien immer sachbezogen zu formulieren und anzuwenden.
Zu welchen Leistungen können Referenzen eingefordert werden?
Referenzen sollten am besten schriftlich eingeholt werden. So sind sie beweisbar dokumentiert. Mündliche Auskünfte sollten ebenfalls schriftlich festgehalten und dem entsprechenden Dossier beigefügt werden.
Wettbewerb muss garantiert sein
Das Ziel von Referenzen ist, dass die Anbietenden von einer fairen Vergabe des Auftrags (Submissionsrecht – Art. 1 Abs. 3 lit. a IVöB) ausgehen können und auch jüngere Unternehmen eine Chance auf die Auftragsvergabe erhalten. Das ist richtig so. Nur so können sich diese weiterentwickeln. Auf diese Weise kann die Leistungsqualität in einer gewissen Breite erhalten und gefördert werden.
Auch in der Baubranche ist es so, dass Mitarbeitende sich bei einer Konkurrenzfirma mehr Entwicklungsmöglichkeiten erhoffen oder gar selbst ein Unternehmen gründen.
Mit den erwähnten Vorgaben wird eine faire Grundlage für die Vergabe geschaffen.
© Bauszene.ch, 25.11.2025

