Künstliche Intelligenz für die Erstellung von Bauverträgen oder Baubeschrieben

Mit ChatGPT ist die Künstliche Intelligenz definitiv in unserem Alltag angekommen. Sie verspricht uns vor allem eines: Erleichterung von aufwendigen oder unangenehmen Arbeiten. Und sie macht uns, zumindest gefühlt, innert Sekunden zu «Experten». Weil sie uns mit den wichtigsten zusammengefassten Daten aus mehreren Jahren versorgt. Wissen in Sekunden aufbereitet. Bauherr:innen können sich freuen. Den jetzt verstehen sie Bauverträge schneller und können Baubeschriebe selbst erstellen. Oder etwa nicht? Über Chancen und Gefahren von Künstlicher Intelligenz.

Also Google in unseren Alltag kam, kam bei den Hausärzt:innen schnell der Begriff Dr. Google auf. Patient:innen informierten sich im Web, stellten plötzlich mehr Fragen zur Behandlung und Ärzte fühlten sich in ihrer Glaubwürdigkeit hinterfragt. Auf neudeutsch heisst dieses Patientenwissen «Patientenkompetenz».

Dies hat zwei Seiten:

  • Patient:innen ...

    …können sich im Vorfeld selbst informieren und stellen beim Hausarztbesuch mehr Fragen.

  • Sie können zwar auf das Wissen zugreifen, ...

    es fehlt jedoch Ausbildung und Erfahrung um die Informationen richtig zu beurteilen.

Künstliche Intelligenz für die Erstellung von Bauverträgen oder Baubeschrieben

Künstliche Intelligenz erlaubt mehr Möglichkeiten. Zum Beispiel die Erstellung von Bildern, wie das ki-generierte Bild oben.

Bauverträge oder Baubeschriebe

Wir bauen und möchten gerne etwas Gutes, etwas Einzigartiges. Mit der künstlichen Intelligenz können wir zum ersten Mal unsere Wünsche formulieren und sie vielleicht sogar in «echt» – grafisch abgebildet, sehen. Vielleicht können wir so ja sogar Kosten sparen? Ja, genau so möchten wir es haben. Und ChatGPT und Co setzen nicht nur alles grafisch um, sondern erstellen für uns auch gleich den Baubeschrieb und den Bauvertrag.

Am Ende entsteht ein 30seitiger Baubeschrieb, der niemand wirklich genau liest – weil er Falschaussagen enthält und auf Experten unglaubwürdig wirkt.

Der erfahrene Bauexperte schafft es die wichtigsten Punkte auf vier A4-Seiten abzubilden.

Klarheit und Verständlichkeit vor Komplexität

Diese Situation zeigt auf, das Künstliche Intelligenz falsch eingesetzt, nicht vereinfacht, sondern bei falscher Anwendung verkomplizieren kann. Irgendwie glauben wir, dass 30 Seiten uns mehr Sicherheit geben. Doch Komplexität erhöht die Chancen auf Fehler! Auf dem Bau arbeiten zudem Bauarbeiter:innen aus x-verschiedenen Kulturen.

Einfachheit und Verständlichkeit sind darum immens wichtig!

Bleibt die Frage, wem wir nun mehr glauben wollen. Der nachhaltigen Erfahrung des Bauexperten oder Künstlicher Intelligenz, die zwar ebenfalls auf viele Daten zugreifen kann, aber sie

a) nicht beurteilen kann und

b) darum falsche Daten nicht erkennt.

Gefahren von KI in Bezug auf Baubeschrieb und Bauvertrag

Gefahren? Ja, die gibt es und wie so oft beim Bauen, können diese sehr teuer werden!

Kundenwünsche sind das A und O, also setzt man diese um. Damit Kund:innen zufrieden sind und die beteiligten Unternehmen weiterempfehlen. Doch es gibt eben nun mal Grenzen.

Also muss beides von einem erfahrenen Bauexperten überprüft werden.

Damit

  • die aktuellen (!) rechtlichen Grundlagen gewährleistet sind.
  • keine Halluzinationen enthalten sind.
  • fachlich alles stimmt und überhaupt möglich ist.
  • alle beteiligten Parteien verstehen.

Das führt dazu, dass der eigentliche Aufwand nicht tiefer ist.

Vorteile von KI

  • Als Laie hilft sie uns besser zu verstehen, wenn die Qualität stimmt. Eine Bauherr:innen-Kompetenz kann entstehen.
  • Das Grundlagenwissen ermöglicht konkretere fachliche Fragen (Inputsgeber)
  • Unser Grundwissen wird besser – vor allem in der Absprache mit dem Bauexperten.

KI kann uns Arbeiten erleichtern und Aufwand abnehmen. Kann. Es geht nicht ohne die Überprüfung. Fachexperten weisen bereits darauf hin, dass die Qualität nicht besser geworden ist. Das hat mit Unkenntnissen, Überforderung und der gefühlt «fehlenden Zeit», für Überprüfung zu tun.

Nachfolgend ein vertiefter Blick fürs Voraussetzungen und Gefahren der Künstlichen Intelligenz.

Künstliche Intelligenz: Was sie ist und was nicht.

Dass wir gerne etwas Komplexes schnell und einfach verstehen wollen, ist durchaus menschlich und nachvollziehbar. Protagonisten aus der KI Branche haben sie uns auch als Wundermittel angekündigt. In Zukunft – so ihre Worte – können Lehrlinge auf das gleiche Wissen zugreifen, wie Bauexperten mit 40 Jahren Erfahrung. Das klingt gut. Zumindest für die Lehrlinge. Denn wir Menschen fangen gerne erst beim zweiten Schritt an.

Bei Künstlicher Intelligenz müssen wir immer genauer hinsehen. Den oft sind es Laien, die das Wissen und die Umsetzung als sehr gut bezeichnen. Heisst, sie können das Resultat selbst zu wenig beurteilen.

KI braucht Fachkenntnisse für die Weiterentwicklung

Doch keine Angst: KI wird laufend besser. Allerdings nur, wenn wir selbst weiter laufend fundierte und als Beispiel, gute Artikel und das ohne KI schreiben. Denn die KI greift auf Daten der vergangenen Jahre im Internet zurück. Und da sich dort selbst ahnungslose als Experten ausgeben konnten …

… muss die Qualität hinterfragt werden.

Und die Qualität bestimmen wir. Wir sind diejenigen, die der KI Nahrung liefern. Und das WIR hat gewisse Schwächen:

Der bekannte Philosoph Immanuel Kant verlangte von den Menschen Mündigkeit. Darin enthalten ist die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen (= Verzicht auf Fürsorge des Elternhauses). Nun ist dies genau das, was Menschen gerne an andere übergeben. Darum teilte Kant die Menschen in Fragen der Mündigkeit, relativ hart in «Faulheit und Feigheit» ein (Quelle: Sachbuch «Digitale Mündigkeit» Leena Simon).

Während Dr. Google auf Webauftritte von Fachexperten verwies, fasst Dr. KI einfach alles zusammen, meistens ohne fachliche Überprüfung.

Gefahren erkennen und vor allem verstehen

In der Technikphilosophie werden Maschinen als «wirkungsverstärkende Organverlängerung» betrachtet. Und weil wir Tools wie ChatGPT mit Du ansprechen, gehen wir von einem kompetenten Gegenüber aus. Dieses «Du» und «Ich» wird vom deutschen Philosophen Christian Uhle im Buch «Künstliche Intelligenz und echtes Leben» kritisiert. Erste Erkenntnisse zeigen, dass Menschen KI-Tools nicht mehr als Maschine, sondern als «echtes Gegenüber» einstufen. Insbesondere Menschen mit sozialen Defiziten setzen ihre Hoffnung stark auf Künstliche Intelligenz. Uhle befürwortet darum, dass die Politik im Technikdesign diese direkte Du-Ansprache der Maschine zum Menschen unterbindet.

Denn diese Verschmelzung und die fehlende Qualitäts- und Wahrheitsüberprüfung haben Folgen.

Die Qualität wird nicht hinterfragt.

In unserem Beispiel wird bauen in der Folge noch teuer.

Das muss nicht sein. Das sieht auch die Politik so.

EU AI Act: die EU reagiert

Die Risiken, dass durch KI auch Desinformation oder Täuschungen verbreitet werden, sind zu gross. Darum tritt per 2. August 2026, die Pflicht zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte in Kraft. Ziel ist mehr Transparenz zu schaffen, Deepfakes zu verhindern. Unternehmen müssen darum KI Inhalte als von KI-Systemen geschrieben, kennzeichnen.

Künstliche Intelligenz kann uns das Leben, kann organisatorische Abläufe, etc. erleichtern. Dazu braucht sie uns. Das Wir als Korrektiv. Wir als nutzende. KI-Tools, die einen thematischen Bereich wie z. B. das Bauen abdecken, können eine viel höhere Qualität abbilden. Die Chancen sind da.

Dafür müssen wir zuerst den ersten Schritt tun.

© bauszene.ch, 8.3.2026