Grundsätze der Kreislaufwirtschaft
Wenn unsere Wirtschaft floriert, hat sie nebst der Förderung von Wohlstand und Arbeitsplätzen auch negative Auswirkungen. Es werden mehr Material und mehr Rohstoffe verwendet. Vieles davon lässt sich dank der Kreislaufwirtschaft recyclen. So wird der Abbau wertvoller Rohstoffe reduziert. Die wichtigsten Tipps für angehende Hauseigentümer:innen im Überblick.
In den uns meist bekannten Produktionsprozessen werden Rohstoffe abgebaut, Produkte hergestellt, verkauft, genutzt und – im besten Fall – bestimmungsgemäss entsorgt. In vielen Fällen jedoch nicht. Dieses Verhalten führt dann zu Rohstoffknappheit. Rohstoffabbau wiederum kann einen grossen und negativen Einfluss auf die Klimaveränderung haben.
Der Bau und Betrieb von Gebäuden und Infrastrukturen ist verantwortlich für rund 50 Prozent des Rohstoffbedarfs, einen Drittel der CO2-Emissionen und über 80 Prozent des Abfallaufkommens in der Schweiz. (Charta.ch)
Die Baubranche hat darum ein sehr grosses Potenzial für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.
Was ist Kreislaufwirtschaft?
Kreislaufwirtschaft
- hat das Ziel, alle wiederverwendbaren Materialien so lange wie möglich wieder zu verwenden. Primärrohstoffe werden so aufgebraucht und Produkte bleiben länger im Umlauf.
- fängt mit der Rohstoffgewinnung an, gefolgt vom Design, der Produktion, Distribution, einer möglichst langen Nutzung bis hin zum möglichst hohen Recycling.
- kann nicht abdelegiert werden. Sie liegt in der Verantwortung von allen – in unserem Fall an einem Hausbau oder ähnlichem – beteiligten Personen.
Ziele und Einflussmöglichkeiten
Rohstoffe und Ressourcen sollen möglichst wirtschaftlich, effizient und schonend genutzt werden (können), ohne sie zu destabilisieren.
Dieses Ziel kann durch die folgenden Massnahmen erreicht werden:
- Minimierung des Rohstoff- und Energieverbrauchs,
- Minimierung von Abfällen und Umweltbelastung aller Art (Reduktion des weltweiten Transportwegs durch Nutzung der bestehenden Recycling-Rohstoffe vor Ort),
- Sinnvolle Verwendung von erneuerbaren Energien und nachhaltigen, nicht toxischen Rohstoffen,
- Möglichst lange Garantie und ein zuverlässiges Reparaturangebot. Bsp. Handys, Laptops, Linux etc.
- Reduzierung bzw. Weglassen der sogenannten geplanten Obsoleszenz (= dass ein Gerät so konzipiert ist, dass es nach einer gewissen Zeit kaputt geht und eine Reparatur «sich nicht mehr lohnt»)
Was bedeutet Kreislaufwirtschaft für die Baubranche?
Wird ein Gebäude abgerissen, wurde der Bauschutt früher entsorgt. Heute werden die Materialien – durch den sogenannten Rückbau – professionell und schonend abgebaut und sortiert. Sprich systematisch in Einzelteile zerlegt.
Laut Bundesamt für Umwelt (bafu) entstehen in der Schweiz jährlich über 17 Millionen Tonnen Bauabfälle. Ein Grossteil davon ist wiederverwertbar.
Wiederverwertbare Materialien
Heute können bis zu 50 Prozent rezyklierte Gesteinskörnungen ohne Qualitätsverlust in neuem Beton eingesetzt werden.
Weitere Materialien, die sich zum Recycling eignen sind:
- Stahl
- Holz
- Glas
- Ziegel
- Strassenbeläge
- Kunststoff
Damit nicht genug:
Auch Türen, Fenster, Heizkörper oder Holzbalken können in neuen Projekten verbaut werden, erfordern aber eine vorherige sorgfältige Überprüfung des Zustands und eine Einschätzung des möglichen Lebenszyklus.
Wohnhäuser, die komplett rückbaubar sind
Dass Rückbau aufgrund der Ressourcenknappheit notwendig ist, ist in der Baubranche der Schweiz längstens angekommen.
So entstehen Pilotprojekte wie modulare Wohnhäuser, die komplett rückbaubar sind, oder Bürogebäude, die ausschliesslich aus rezyklierten Materialien errichtet werden.
Bilateral arbeiten Forschungsinstitute laufend an neuen Normen, um die Wiederverwendung zu fördern und Recycling zu vereinfachen.
Was wir selbst tun können
Es liegt auf der Hand, dass das vorhandene Material recycelt werden sollte.
- Zu guter Anfang ist, wie meistens, die Politik gefordert, entsprechende Gesetze, finanzielle Anreize, etc. zu fördern.
- Für die Bewohner:innen der Schweiz gilt daher, den Abfall entsprechend zu sortieren und das inzwischen enorme Angebot an örtlichen Sammelstellen vollumfänglich zu nutzen.
- Bauunternehmen sollten sich in dieser Thematik weiterbilden, die Kreislaufwirtschaft in ihr Angebot aufnehmen und potenziellen Bauherr:innen als entsprechend sinn- und wertvoll anbieten.
- Forschungsinstitute sollten weiter dranbleiben, um neue Wege und Verarbeitungsmöglichkeiten zu finden. Dazu sind sie auf die Unterstützung von Branche und Politik angewiesen.
Kreislaufwirtschaft bewegt sich nur, wenn wir auch uns selbst bewegen. Zuerst im Denken, dann im Handeln. Das gilt in der Bau- wie in allen andern Branchen – bis hin zum Abfallkonzept jeder Wohnung in der Schweiz.
Quellen
- bauenaktuell.ch: «Kreislaufwirtschaft im Bau: Rückbau, Recycling und Second-Life-Materialien»
- bafu.admin.ch: «Kreislaufwirtschaft»
- Charta.ch
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