Dachunterhalt: Warum Flachdächer nicht undicht sein müssen
Manche Gerüchte können einfach nicht aus der Welt geschafft werden. Zum Beispiel, dass Flachdächer immer undicht sind. Und trotzdem werden sie immer noch gebaut. Vielleicht liegt die Dichte dieser Dächer nicht an der Bauweise, sondern – wie so oft – einfach am fehlenden Unterhalt. Zeit, das Image dieser Dachform zu korrigieren und vor allem zu verdichten.
Was haben ein Flach- und ein Giebeldach gemeinsam? Ganz einfach: Ohne Unterhalt und Pflege werden sie undicht. Beim Giebeldach kann Wasser zwar besser ablaufen, doch wenn zum Beispiel Ziegel undicht sind, führt das schnell mal zu Schäden im Dachraum. Wasser findet immer einen Weg.
Bei jedem Dach, gleich welcher Art, darf keine Staunässe bestehen. Darum müssen Rinnen und Abläufe frei sein, heisst, empfehlenswerter Weise zweimal im Jahr kontrolliert werden.
Häuser, die nahe an Bäumen stehen, sollten besonders gut überprüft werden, da oft Laub auf dem Dach landet und zusammen mit Regen Rinnen und Abläufe verstopfen kann. Bei nicht kontrollierten Dächern kann es auch zu Moosbildung kommen.
Anfälligkeit der Flachdächer
Was Flachdächer ausmacht, bildet gleichzeitig auch eine Gefahr für sie: die Bepflanzung. Pflanzen auf dem Dach sind nicht nur eine Augenweide, sie haben die Eigenschaft, die sengende Sonne aufzufangen und die Temperatur herunterkühlen.
Schon ein bisschen Grün in Ritzen von Strassenpflaster, zum Beispiel, kann hohe Bodentemperaturen absenken – um 28 Grad Celsius, wie Wissenschaftler aus dem spanischen Santiago de Compostela herausfanden, wo die Temperatur des Pflasters bis auf 55 Grad ansteigen kann (Quelle: Buch «Klimaresilienz» – Christina Berndt).
Was auf der Strasse möglich ist, kann auch die bei Hitze unerträgliche Wohnung im obersten Stock kühlen.
Problematik Wurzeln und Dachhaut
Doch eines sei bedacht: Die Natur ist wie der Mensch. Wo die Lebensgrundlagen stimmen, lässt man sich nieder.
Und so landen auf dem grünen Dach windbedingt auch Samen von Moos, Gräsern, Löwenzahn, Stauden oder sogar von Bäumen. Wie im Garten. Nur eben höher und meistens genau darum nicht so deutlich sichtbar.
Unserem Flachdach kann dieses Wurzelschlagen regelrecht unter die (Dach-)Haut gehen. Was zu Undichtigkeit führt.
Besonders gefährlich sind sogenannte rhizombildende Pflanzen. Diese bilden unterirdische Wurzel-Triebe , zum Beispiel Wasabi, Kurkuma, Bambus und Efeu. Diese mit Chemie zu bekämpfen, ist gemäss Dachgarten-Experten eher wirkungslos. Das beste ist, die Pflanzen möglichst früh mit allen Ausläufern auszureissen.
Unsere Haut ist sensibel. Das Gleiche gilt beim Dach.
Selbst ist der Mann und die Frau. Also rauf aufs Dach und weg mit diesen unerwünschten Neuzuzügern. Doch aufgepasst: Pflanzen, die in die Dachhaut hineingewachsen sind, sollte nur ein Fachmann entfernen.
Zudem bedarf es ein genaueres Hinsehen. Der Schaden muss präzis betrachtet werden.
Dazu muss die Kiesschicht entfernt und kontrolliert werden, ob die Wurzeln schon durch die Haut gedrungen sind. Dann nämlich braucht es eine zeitnahe Reparatur des Dachs.
Weitere Gefahren: Wind, Ultraviolettstrahlung, Kittfugen
Nebst den genannten Pflanzen, nimmt auch der Wind Einfluss auf unser Flachdach. Sand und Kies werden bei starkem Wind an exponierte Stellen verfrachtet. Es können nun Flächen entstehen, die vom Wind blankgeblasen werden und der Ultraviolettstrahlung ausgesetzt sind. In der Folge schreitet die Abnutzung und Alterung des Materials schneller voran.
Auch Blasen, Risse oder Rümpfe können an der Dachhaut entstehen. Ebenfalls sind Kittfugen besonders gut zu kontrollieren. Denn Alterung, Abnützung oder Überdehnungsschäden sind der Anfang von grösseren Problemen.
Kontrollen lohnen sich immer!
Unterhalt und regelmässige Kontrollen sind eine der besten Investitionen für Gebäude jeder Art.
Eine gute Bauqualität reduziert den Aufwand und sorgt für eine gesunde Langlebigkeit des Gebäudes. Bauqualität beinhaltet bewährte Bauteile und Materialien sowie eine korrekte Installation.
Dächer sind wie Freundschaften. Man muss sie regelmässig pflegen, damit sie halten. Seien wir darum unserem Dach gut Freund. Denn so hält es auch möglichst lange zu uns …
© bauszene.ch – 14.5.2026

