Generalplaner – alles aus einer Hand

Für einfache Bauvorhaben mag der Beizug eines Architekten oder einer Architektin genügen. Sie verfügen in der Regel über das nötige Fachwissen, koordinieren den Ablauf der Erstellung und die beauftragten Firmen. Bei komplexen Projekten, die heute selbst für Einfamilienhäuser die Regel geworden sind, sind oft ein Dutzend oder mehr Fachingenieure und Bauspezialisten gefragt, die sich von der Statik über die Elektrik bis zum Gewässerschutz und der Gartengestaltung mit allen erdenklichen Details beschäftigten.

Für jede Aufgabe kommt ein anderes Unternehmen zum Zug. Die immer grösser werdenden Tafeln auf den Baustellen, auf denen die beteiligten Firmen aufgelistet sind, zeugen von der zunehmenden Spezialisierung in der Baubranche. Die Komplexität birgt jedoch für den Auftraggeber ein erhöhtes Risiko, wenn er oder das Architekturbüro mit jedem einzelnen Unternehmen Verträge abschliessen und deren Einhaltung überprüfen muss. Dafür stehen der Bauherrschaft gleich eine ganze Reihe von Verantwortlichen zur Seite, die den Bau koordinieren und voranbringen (siehe Kasten).
Unterstützen, begleiten

«Mit einem Generalplaner erhält der Auftraggeber einen einzigen Ansprechpartner, der die Verantwortung für sämtliche Planungsbereiche übernimmt», sagt Claude Reinhardt, der in Zürich mit seinem Partner Peter-David Weber und einem Team von 20 Spezialisten als Generalplaner tätig ist. Die Unterstützung und Begleitung der Bauherrschaft von der ersten Idee bis zum fertigen Bauwerk ist Kernaufgabe der Generalplanung. Oft kommen weitere projektbezogene Leistungen dazu.

Architekt Claude Reinhardt erläutert die Tätigkeit des Generalplaners anhand einiger von seiner Firma kürzlich realisierter Projekte. In Zürich baute er für die Revisionsgesellschaft Deloitte den denkmalgeschützten ehemaligen Sitz der Rentenanstalt um. In Küsnacht (ZH) realisiert er zurzeit den Neubau der Privatklinik St. Raphael. Und in der Stadt Zug entstand das Ensemble «Choller», bestehend aus einem Kulturzentrum, das bis zu 2000 Zuschauer beherbergen kann, und einem Hochbau mit Läden, Ausstellungs- und Proberäumen und Ateliers sowie 14 luxuriösen Loftwohnungen.

Für die auftraggebende Choller AG wickelte das Büro Webereinhardt Generalplaner sämtliche Aufgaben von der Idee über die Ausschreibungen von Leistungen, die Kosten- und Termineinhaltung bis hin zur Bauabnahme und der Gewährleistung ab.

Aus Sicht des Bauherrn kann eine umfassende Delegation an den Generalplaner aber auch Nachteile enthalten. Bei der Auswahl des Planers setzt der Bauherr «alles auf eine Karte». Im Konfliktfall drohen zusätzliche Kosten. Nicht selten, so bemängeln Kritiker des Generalplanermodells, ist die Transparenz in Bezug auf die Konsequenzen einzelner Planungsentscheide gering, deren Einfluss auf die Fachingenieure dagegen oft sehr hoch. Zudem wird ein zusätzliches Honorar fällig, ein Zuschlag von 3 bis 5 Prozent auf den kumulierten Planerhonoraren.
Wachsender Anteil

«Das Prinzip <Bauen aus einer Hand> hat sich bewährt», sagt auch Bernhard Büchler vom Verband Schweizerischer Generalunternehmer (VSGU) in Bern. Büchler verweist auf den heute schon bedeutenden und immer noch steigenden Anteil des Bauvolumens, den Generalunternehmer (als Verantwortliche der Bauausführung), Generalplaner (als Verantwortliche der Bauplanung) oder Totalunternehmer (als Verantwortliche von Planung und Ausführung) realisieren. Der VSGU schätzt den Marktanteil der nach dem Gesamtleistungsprinzip erstellten Bauten allein im Hochbau auf 25 bis 30 Prozent.

Naturgemäss stehen für die General- und Totalunternehmer, 21 von ihnen sind im VSGU organisiert, grössere Bauvorhaben im Vordergrund. Doch selbst für den Bau eines Einfamilienhauses kann der Beizug eines Generalplaners sinnvoll sein, wenn die Einhaltung des Kostendachs, Termine und Qualität stimmen sollen.

Quelle NZZ online

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