Asbestrisiken vor Baubeginn abklären

In vielen Liegenschaften, die vor 1990 gebaut wurden, findet sich noch gefährliches Asbest.

Die feinen mineralischen Fasern sind tückisch. Sie setzen sich in den Atemwegen fest und können – oft erst Jahrzehnte nach dem Kontakt mit ihnen – Krebs auslösen. Bis zum Verbot 1990 fand Asbest in der Schweiz reichlich Verwendung. Vor allem von den im Zeitraum von 1960 bis 1990 erstellten Gebäuden gelten die wenigsten als asbestfrei. Betroffen sind mehr als 1,5 Mio. Wohnungseinheiten.

Bei Umbauarbeiten und Renovationen muss stets mit Asbestvorkommen gerechnet werden. Die Suva rät deshalb generell zu «erhöhter Vorsicht». Auch wenn inzwischen ein Grossteil der Bevölkerung um die Gefahren weiss, die von Asbest ausgehen, ist der Informationsbedarf weiterhin hoch. Wo überall in älteren Gebäuden Asbest vorkommt und in welchen Situationen der einst hochgelobte Werkstoff zur Gefahr für die Gesundheit werden kann, zeigt die Suva in einem 16 m² grossen Modellhaus auf, das unter anderem auf Messen gezeigt wird.

Christian Weber, Asbestspezialist im Bereich Bau bei der Suva, wendet sich primär an Handwerker, die bei unsachgemässem Vorgehen besonders exponiert sind. «In einigen Branchen, wie bei den Elektroinstallateuren, sind wir schon weit.» Bei anderen Branchen und namentlich in der Ausbildung sieht Weber Nachholbedarf.

Mit Kampagnen, die neben der Suva auch das Bundesamt für Gesundheit, kantonale Fachstellen und Organisationen wie der Hauseigentümerverband HEV durchführen, sollen auch Liegenschaftsbesitzer und Heimwerker für die Problematik sensibilisiert werden.

Simon Schneebeli von der Vereinigung der Asbestberater in der Schweiz (VABS) nennt zwei Arten der Analyse, die helfen, das Risiko einzuschätzen: die schnell gemachte Bestandesaufnahme, die sich bei unveränderter Nutzung anbietet, und die eingehende Gebäudeuntersuchung, die sich vor grösseren Arbeiten aufdrängt. «Als Bauherr sollte man dabei Firmen und Fachleute auswählen, die mit dem Material umgehen können», sagt Schneebeli, der mit seinem Lausanner Büro Picadus vor allem in der Westschweiz tätig ist. Beim Abbruch eines kontaminierten Gebäudes oder bei der Entsorgung von Material sind unter Umständen Spezialfirmen beizuziehen. Für Arbeiten, bei der viele Fasern freigesetzt werden, gilt zudem Meldepflicht.

Warum die vorgängige Abklärung sinnvoll ist, weiss auch Daniel Bürgi. «Das Risiko, dass es auf der Baustelle zu teuren Verzögerungen kommt, weil Asbest gefunden wird, liegt beim Auftraggeber», sagt der Geschäftsführer von Friedlipartner in Zürich. Unter Umständen bleibe alles liegen, wenn es den Bauarbeitern zu riskant werde. Weil der Vollzug im Umgang mit Asbest, anders als bei Altlasten, nicht genau geregelt ist, gebe es aber «eine grosse Grauzone». Zuweilen werde auch mehr gemacht als effektiv nötig.

Weil selbst kundige Architekten nicht immer in der Lage sind, alle Asbestrisiken zu überblicken, schlägt Berater Daniel Bürgi vor, ein detailliertes Sanierungskonzept auszuarbeiten, bevor die Arbeiten beginnen. Den Aufwand für solche vorgängigen Gebäudeuntersuchungen bei einem Mehrfamilienhaus schätzt Bürgi auf 2000 bis 3000 Fr. für die einfachere Variante und auf 5000 bis 10 000 Fr. für eine eingehende Prüfung vor Bauvorhaben. Dieses Geld sei gut angelegt, weil es sich oft in einer späteren Bauphase einsparen lasse. Nützlich sind solche Gutachten auch bei Kauf oder Verkauf von Immobilien. In Frankreich sind solche Untersuchungen vor Liegenschaftstransaktionen sogar obligatorisch.

Den Fachleuten liegt es fern, Panik zu machen. Wichtig sei, dass alle den Grundsatz kennen: Jedes Einatmen von Asbestfasern vermeiden! «Untersuchungen aus Frankreich zeigen, dass fast alle Gebäude aus der betreffenden Periode in irgendeiner Form Asbest enthalten», sagt Simon Schneebeli. Doch nur jede zehnte Liegenschaft sei dann sanierungsbedürftig. Für Hauseigentümer sei es oft schon beruhigend, meint auch Daniel Bürgi, wenn sich die Frage beantwortet lasse: «Muss ich in Bezug auf Asbest kurzfristig etwas unternehmen?»

Quelle www,nzz.ch

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